Zum Tod des Dignitas-Gründers Ludwig A. Minelli
Ende November 2025 ist der Jurist und Sterbehilfe-Pionier Ludwig A. Minelli (1932–2025) selbstbestimmt verstorben. Minelli gründete die Sterbehilfeorganisation Dignitas und prägte die rechtspolitische Entwicklung der Suizidhilfe in der Schweiz und in Europa über Jahrzehnte in entscheidender Weise.
Ursprünglich Journalist, widmete er sich in der zweiten Hälfte seines Lebens der Durchsetzung der Europäischen Menschenrechtskonvention, insbesondere dem Recht auf Achtung des Privatlebens und der Selbstbestimmung. Mit 44 Jahren begann er ein Jurastudium, wurde später Rechtsanwalt und engagierte sich fortan mit grosser Beharrlichkeit für die rechtliche Absicherung des selbstbestimmten Sterbens.
Im Zusammenhang mit einer EXIT-Vereinsversammlung im Jahr 1998, an der Minelli als Anwalt des damaligen Geschäftsführers teilnahm, kam es zu einer Auseinandersetzung über die strategische Ausrichtung des Vereins. Noch im selben Jahr gründete er «Dignitas – Menschenwürdig leben – Menschenwürdig sterben». Die Organisation entwickelte sich in der Folge rasch zu einem international beachteten Akteur in der ethischen und rechtlichen Debatte um das Lebensende.
Minelli war an mehreren wegweisenden Verfahren beteiligt. Besonders hervorzuheben ist das Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte im Fall «Haas gegen die Schweiz» (2011), in dem das Recht auf Selbstbestimmung am Lebensende ausdrücklich bestätigt wurde. Auch die höchstrichterlichen Entscheide in Deutschland und Österreich im Jahr 2020, welche die Freitodhilfe dort neu ermöglichten, wurden massgeblich durch von Dignitas unterstützte Verfahren mitgeprägt.
Unbestritten ist Minellis nachhaltiger Einfluss auf die Entwicklung der Sterbehilfe in Europa. Viele tausend schwerkranke Menschen verdanken seinem Wirken den Zugang zu einem selbstbestimmten Lebensende. Mit Ludwig A. Minelli verliert die internationale Sterbehilfebewegung eine ihrer prägendsten Persönlichkeiten.