Zum Tod des EXIT-Biografs Karl Lüönd
Als Medienmann, dem nichts Menschliches fremd war, verfolgte Karl Lüönd (1945-2026) die Geschicke von EXIT seit der Gründung. Zum 40. Vereinsjubiläum hat er seine scharfen Beobachtungen in Buchform vorgelegt. Nun ist er im 81. Lebensjahr gestorben.
Der Titel seiner EXIT-Biografie – «Selbstbestimmt bis zuletzt» - hätte auch über der eigenen Lebensbahn stehen können. Der Baby-Boomer ist überzeugt den eigenen Weg gegangen. Geboren im Kanton Uri, als Sohn eines Munitionsfabrik-Arbeiters, geschult im Benediktiner-Gymnasium und ausgestattet mit breiten Interessen und erstaunlichem Wissen, fand er den Weg in den Journalismus, zuerst in Luzern, und – als grosses Talent – bald schon auf dem nationalen Medienplatz Zürich. Beim Reporter blieb es nicht: Der konsequente Macher wurde bald Chefredaktor, Gründer und Herausgeber. Die Selbstständigkeit prägte dann sein letztes Vierteljahrhundert als Publizist, Berater, Dozent und «Elder Statesman» der eidgenössischen Medienlandschaft. So fleissig war er, dass er die Anzahl seiner Bücher nur mit «circa» angeben konnte. Rund 70 Unternehmensbiografien und Sachbücher hat er recherchiert und niedergeschrieben, und dies in einem lebhaften, gut lesbaren Stil, wie auch die 40-Jahre-Geschichte unseres Vereins, die sich streckenweise wie ein Krimi liest.
Wer Kari – so nannten ihn alle in seinem beneidenswert grossen Beziehungsnetz – näher kannte, sprach von seiner intellektuellen Unabhängigkeit, seiner beachtlichen Analysefähigkeit, seinem enzyklopädischen Wissen, seinem trockenen Humor. Er war ein spezieller Mensch, der sich nicht scherte, was andere dachten, deshalb auch aneckte, am Ende aber weitherum geschätzt und respektiert wurde. Letztlich sprach sein Werk, nein, sprachen seine Werke für ihn. Mit seiner «Züri-Woche» nahm er jahrelang Einfluss im urbanen Zentrum, letztlich blieb er aber, zur ländlichen Herkunft besser passend, der leidenschaftliche Jäger, als Hobby im wahren Sinn, im übertragenen Sinn in seinem Feld des Journalismus.
Selber bekennendes EXIT-Mitglied, hat Karl Lüönd unseren Verein jahrelang begleitet und unterstützt, bei Image-Kampagnen oder zuletzt im Initiativkomitee «Selbstbestimmung auch im Heim». Eine schwere Krankheit hat ihn nun im unermüdlichen Tatendrang gestoppt. Den sich abzeichnenden Erfolg der Initiative-Ziele im Zürcher Kantonsrat hat er aber noch mitnehmen können. Und tröstlich ist, dass er auch die Krankheit mit seinem unerschütterlichen Humor angegangen zu sein scheint.
EXIT ist dankbar für alles, was er für die Idee der Selbstbestimmung und für unsere Vereinigung geleistet hat.
Bernhard Sutter
„Selbstbestimmt bis zuletzt. Sterbehilfe in der Schweiz - vom Tabu zum Modell für Europa“, von Karl Lüönd, NZZ Libro Verlag, 2022, ISBN 978-3-907291-46-7, im Buchhandel